Konzept

Unser Konzept

Der KinderReich e.V. wurde 1991 von engagierten Eltern gegründet.
Als gemeinnütziger Verein haben wir die Betriebserlaubnis der Regierung von Oberbayern und erhalten Zuschüsse der Stadt München und des Landes Bayern.
In der Augustenfelder Straße 31 entstand zunächst im Erdgeschoss des Hauses ein Kindergarten.
Im Jahre 2001 wurde der erste Stock für eine Kinderkrippe ausgebaut und das Dachgeschoss zum Büro und Personalraum renoviert.
Wir verfügen über mehr als 250 qm lichte Innenräume und über einen 400 qm großen alten Garten.
Seit September 2015 heißen wir Kindervilla Kinderglück.
Die Kindervilla Kinderglück umfasst zur Zeit eine Kindergartengruppe von 18 bis 20 Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren und eine Kinderkrippengruppe von 10-12 Kindern im Alter von acht Wochen bis zu drei Jahren.

Entsprechend dem Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan verstehen wir unser Angebot an die Eltern und Kinder, die zu uns kommen, als eine Erziehungspartnerschaft.
Die pädagogischen Mitarbeiter/innen der Kindervilla und die Kinder und Eltern sind gemeinsam aktive Mitgestalter der Bildung und Entwicklung der Kinder in unserer Kindervilla.

In dieser Erziehungspartnerschaft fördern einerseits die Erzieher/innen und Mitarbeiter/innen der Kindervilla die Entwicklung der Kinder, indem sie den Kindern durch unsere Angebote Fähigkeiten, Wissen und Werthaltungen vermitteln. Andererseits gestalten Kinder und Eltern entsprechend der Vielfalt ihrer Fähigkeiten, Interessen sowie Stärken und Schwächen diesen sozialen Lernvorgang mit uns gemeinsam.

Die Mitwirkung der Kinder innerhalb der Kindervilla soll ihre Kompetenz für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben im Sinn eines sozialen und demokratischen Miteinanders fördern.

Eltern und pädagogisches Personal arbeiten partnerschaftlich bei dieser Entwicklung der Kinder zusammen. Regelmäßige Gespräche informieren die Eltern über den Stand der Entwicklung des Kindes. Während des Jahres erörtern Eltern mit uns wichtige Fragen bei der Betreuung des Kindes.

Diese Zusammenarbeit von pädagogischem Personal der Kindervilla, von den Kindern und von den Eltern soll nicht nur dazu dienen, Fähigkeiten, Wissen und allgemeine Kompetenzen zu vermitteln, sondern sie soll vor allem die Kompetenz des Handelns im sozialen Kontext fördern.
In der Kinderkrippe und im Kindergarten soll bei uns Sensibilität für und Achtung vor der Andersartigkeit der anderen Kinder entwickelt werden und wir wollen durch unsere Arbeit die Aneignung von Werten, Kommunikations- und Kooperationsfähigkeiten fördern.
In langer Linie entsteht dadurch bei den Kindern die Fähigkeit zur Bereitschaft von Verantwortungsübernahme sowie die Fähigkeit zur demokratischen Teilhabe.

Drei Ziele stehen für uns im Mittelpunkt dieser Erziehungspartnerschaft:

  • Erstens soll eine familienähnliche Situation der Geborgenheit geschaffen werden, in der sich die Kinder rundum wohl fühlen, sich frei entfalten können und in der sie keine Hackordnung oder Unterdrückung von stärkeren Kindern erleben.
    Der liebevolle Umgang der Kinder untereinander will gelernt sein, wir sehen darin ein zentrales Thema des sozialen Lernens der Kinder. Sich bei dem anderen zu entschuldigen, wenn man ihm wehgetan hat, ist bei uns eine Selbstverständlichkeit.
  • Zweitens wollen wir eine möglichst umfangreiche Förderung der Talente und Fähigkeiten des Kindes erreichen.
    Hier sind vor allem Angebote in den Bereichen musikalische Früherziehung, Malen, Sport, Basteln, Theaterspiel, Englisch, Spiele, kleine wissenschaftliche Versuche, Projekte, Ausflüge und das Vorschulprogramm zu nennen. Alle diese Lernangebote sind selbstverständlich ohne Leistungsdruck. Wir wollen den Spaß am Lernen und am Entdecken der eigenen Kräfte fördern. Kinder haben das Grundbedürfnis zu erfahren, dass sie etwas können. Wir helfen ihnen dabei, diese Erfahrung zu machen, indem wir sie anleiten und unterstützen.
    Das eigene Tun des Kindes steht dabei immer im Vordergrund.
    Um sie nicht zu überfordern und auch nicht zu wenig anzubieten, ist genaues Beobachten und Berücksichtigen ihrer individuellen Lernschritte von entscheidender Bedeutung.

  • Drittens ist für uns der Gedanke der Inklusion von großer Bedeutung.
    Jeder Mensch, egal wie er aussieht, welche Sprache er spricht und welche Stärken und Schwächen er hat soll ganz natürlich zu unserer Gemeinschaft in der Kindervilla dazugehören. Kinder mit Migrationshintergrund und altersgemischte Gruppen ermöglichen ein großes Spektrum des Lernens und der gemeinsamen Erfahrung der Vielfalt des menschlichen Seins. In der Kindervilla schätzen und pflegen wir diese Vielfalt ganz bewusst, da sie einen großen Reichtum für unser Leben in der Kindervilla ermöglicht. Die jüngeren Kinder lernen von den älteren, die älteren entwickeln fürsorgliches und mitfühlendes Verhalten bei den jüngeren. Durch die gemischtgeschlechtlichen Gruppen ist es möglich, ein differenziertes und vielfältiges Bild von den möglichen Rollen von Männern und Frauen zu entwickeln, was bei den verschiedenen kulturellen Einflüssen unserer Kinder mit Migrationshintergrund besonders sichtbar wird. Wir fördern diese Lernvorgänge durch Gespräche über „männlich und weiblich“, durch die Wahrnehmung der Unterschiedlichkeit der Herkunft und des Geschlechts und durch die Suche nach Lösungen im Kindergartenalltag, die der Gleichwertigkeit und der Gleichberechtigung von Frauen und Männern entsprechen.

Die Inhalte unserer Arbeit lassen sich verkürzt in folgenden zehn Punkten darstellen:

  • Entwicklung des Gefühlslebens
    Gefühle sind die Sprache der Seele. Über sie erfahren wir, was wir wollen, was uns freut oder ärgert, was wir befürchten, hoffen oder wünschen und vieles mehr.
    Es ist einer der wichtigsten Punkte in unserem Kindergarten, die Gefühle der Kinder ernst zu nehmen, zu verstehen und zu beantworten. Im Gespräch über Gefühle wird
    uns und den Kindern vieles klarer. Gefühle ernst nehmen schafft Vertrauen, Geborgenheit und gegenseitige Achtung. In der Praxis heißt dies, sich Zeit nehmen für Gespräche, schaffen einer Atmosphäre, in der man über Gefühle reden kann, Gespräche und Übungen in kleinen Gruppen, Rollenspiele, Kindertheater, Tanz und Musik, Kunsterziehung, Malen ...
  • Verstandesmäßiges Erfassen der Welt, die uns umgibt
    Wenn wir die Welt um uns herum verstehen, werden wir besser mit ihr umgehen.
    Für Kinder sind viele Phänomene der Welt um sie herum ein Rätsel. Ihnen dabei zu helfen, diese Rätsel zu lösen und die materielle und seelische Welt zu verstehen, ist eine große und wichtige Aufgabe im Kindergarten. Entsprechend ihrem Wissensdurst
    sollten sie genügend von der Welt verstehen lernen. In der Praxis erklären wir zwischenmenschliche Zusammenhänge, wir sprechen über verschiedene Berufe, über alle Themen, die die Kinder in der Wissensrunde selbst ansprechen, über Tiere, Naturphänomene, technische Fragen und vieles mehr und wir machen speziell für die Vorschulkinder einen eigenen Vorschulunterricht sowie Ausflüge und Entdeckungsreisen.

  • Verantwortung für die Beziehung zu anderen
    Unser familiäres, berufliches und gesellschaftliches Leben wird von Verantwortung getragen. Das Erleben von Verantwortung im täglichen Miteinander im Kindergarten entwickelt die Beziehungsfähigkeit der Kinder. In der Praxis übernehmen die Kinder kleine Verantwortungsbereiche im Alltag des Kindergartens, wir sprechen über Verantwortung, gegenseitige Hilfe und wir erklären die Folgen von gegenteiligem Verhalten anhand von Beispielen aus dem täglichen Leben.

  • Sportliche Fähigkeiten
    Der Spaß an Bewegung und das Erfahren der eigenen körperlichen Fähigkeiten ist eine Grundlage unserer Lebensfreude. Durch viele spielerische und sportliche Herausforderungen wollen wir im Kindergarten dabei mithelfen, dass die Kinder ihren Körper wahrnehmen, ihre Bewegungen entwickeln, verfeinern und genießen. In der Praxis dienen dazu Ballspiele, kleine Wettbewerbe, Partnerübungen und Gymnastik,
    Spiele im Freien, Musik und Tanz.

  • Kritik, die Fähigkeit auszusprechen was uns stört
    Es gibt kein menschliches Zusammenleben ohne Fehler und seelische Verletzungen.
    Das Ansprechen dieser Störungen und der richtige Umgang mit Kritik sind für das Wohlbefinden der Kinder von großer Bedeutung. In der Praxis nutzen wir die vielen Beispiele des Tages, wir sprechen über seelische Verletzungen, über Entschuldigung und Wiedergutmachung, über Konflikte, deren Ursachen und Lösungen.

  • Regeln und zwischenmenschliche Ordnungen
    Jede Gemeinschaft hat ihre eigenen Regeln und Ordnungen. Sie zu verstehen und sie einzuhalten erleichtert unser Zusammenleben sehr.
    Es geht darum, die Vorteile von sinnvollen Regeln für die Kinder wie auch für die Gemeinschaft sichtbar zu machen und den Sinn für die Gemeinschaft zu entwickeln. In der Praxis erklären wir die notwendigen Regeln für den Kindergarten, wir zeigen an Beispielen, was passiert, wenn sie nicht eingehalten werden, wir sprechen über Beispiele aus anderen Lebensbereichen, über unsinnige Regeln usw.
    Selbstverständlich erinnern wir die Kinder, wenn sie sich nicht an unsere Regeln halten.

  • Fürsorge und Mitgefühl
    Durch diese beiden Fähigkeiten entstehen Wärme, Liebe und Zuneigung zwischen den Menschen. Ein Kindergarten kann nicht genug davon haben, es ist einer der wichtigsten Punkte, der das Verhalten der Kinder untereinander sowie das Verhalten des Teams zentral bestimmt. In der Praxis setzt dies voraus, dass wir die Beziehungen
    der Kinder gut beobachten, dass wir wahrnehmen, was einzelne Kinder betrübt, dass die Kinder genügend Zuwendung, Lob und Trost erfahren und dass wir das Helfen der Kinder untereinander fördern. Auf der Gegenseite ist es wichtig, Störungen anzusprechen und aggressive Verhaltensweisen zu bremsen.

  • Individualität, die Fähigkeit nein zu sagen
    In jeder Gemeinschaft entsteht rasch ein Gruppenzwang, einige geben den Ton an und erwarten, dass sich die anderen unterordnen. Wir wollen die Individualität jedes einzelnen Kindes fördern. Sie kann nur dann leben, wenn auch das Kind in der Lage ist, nein zu sagen, eigene Vorstellungen und Gedanken zu äußern, sich in seiner Besonderheit und Eigenart zu mögen und entsprechend zu handeln. Dies alles auch im Alltag des Kindergartens zu lernen, ist unser Anliegen. In der Praxis achten wir
    darauf, dass die Stärkeren die Schwächeren nicht unterdrücken, dass die Kinder gegenseitig über ihre Verschiedenheit sprechen, dass wir den Mut zur eigenen Meinung fördern und demokratische Formen der Entscheidungsfindung üben.

  • Geborgenheit, Gemeinsamkeit
    Geborgenheit und Gemeinsamkeit entstehen dadurch, dass die Beziehungen untereinander offen, ehrlich und von gegenseitiger Achtung bestimmt sind, dass Konflikte gut gelöst werden und dass jeder etwas zur gemeinsamen Freude beiträgt.
    Viele der bisher im pädagogischen Konzept genannten Punkte tragen dazu bei, dass dies möglich wird.
    Die Erzieher/innen werden immer den Ton im Kindergarten bestimmen.
    Von ihrer Zusammenarbeit, ihrer Liebesfähigkeit und von ihrer Aufmerksamkeit gegenüber den Bedürfnissen der Kinder und den störenden Faktoren im Zusammenleben wird es abhängen, wie viel Geborgenheit im Kindergarten entsteht.
    In der Praxis dienen dazu viele Gespräche, gemeinsame Unternehmungen, bei Kummer füreinander da zu sein, Fortbildungen, Feste feiern ...

  • Freude, Spaß, Spiel
    Die Freude macht unser Leben liebens- und lebenswert. Es gibt viele Faktoren, die die Freude vertreiben. In unserem Kindergarten wollen wir versuchen, diese Faktoren möglichst gering zu halten. Wir wollen die Fantasie der Kinder fördern, für gemeinsame Spiele und Spaß sorgen und dem Konsumverhalten von Kindern in unserer Zeit entgegenwirken. Dazu dienen in der Praxis Phantasiespiele, Kindertheater, Rollenspiele, Märchen, Backen, Kochen, Geschichten vorlesen und erzählen, Geburtstagsfeste, Ausflüge, toben, singen und vieles mehr.

Die Umsetzung all dieser Inhalte im Alltag der Kindervilla bewirkt das Entstehen verschiedener Basiskompetenzen bei den Kindern der Kindervilla:

  • ein hohes Selbstwertgefühl als Voraussetzung für die Entwicklung von Selbstvertrauen
  • die Entwicklung von freiheitlich-demokratischen, religiösen, sittlichen und sozialen Werthaltungen
  • Denkfähigkeit und differenzierte Wahrnehmung
  • Problemlösefähigkeit
  • Das Lernen des Lernens
  • Fantasie, Kreativität und Erfahrungen mit Theateraufführungen
  • Physische Kompetenzen durch Entwicklung der Grob- und Feinmotorik
  • Soziale Kompetenzen wie Empathie, Kommunikations- und Kooperationsfähigkeiten
  • Konfliktlösetechniken
  • Musikalische Bildung
  • Sensibilität für und Achtung von Andersartigkeit und Anderssein
  • Solidarität
  • Umweltbildung und -erziehung
  • Verantwortung für das eigene Handeln
  • Verantwortung anderen Menschen gegenüber
  • Mathematische, naturwissenschaftliche und technische Bildung
  • Informationstechnische Bildung und Umgang mit der digitalen Welt
  • Bewegungserlebnisse, Tanz und Sport
  • Widerstandsfähigkeit bzw. kompetenter Umgang mit Belastungen

Gesundheitsbildung

Wir legen großen Wert darauf, in der Kindervilla zu erleben, wie man die Gesundheit durch verantwortliches Handeln stärken und fördern kann.
Vor allem bei dem Thema Ernährung versuchen wir, vorbildlich auf die Unterschiede der möglichen Ernährungsformen hinzuweisen.
Wir kaufen biologische Frischkost ein, die Mahlzeiten werden täglich frisch in unserer Küche zubereitet, wir kochen und backen gemeinsam mit den Kindern und sie erleben dabei die Geschmacksunterschiede von frischer, lebendiger Nahrung und Industrienahrung.

In den Bereichen Sport, Tanz und Toben entstehen unendlich viele Bewegungsmöglichkeiten für die Kinder der Kindervilla, die ihnen ein verstärktes Bewusstsein für Bewegungsabläufe und ein großes Vertrauen in die eigenen körperlichen Fähigkeiten vermitteln.

Wir entwickeln ein Grundverständnis für die Bedeutung von Hygiene und Körperpflege, nicht nur beim täglichen Zähneputzen und Hände waschen, sondern auch in vielen anderen Momenten des Alltags in der Kindervilla.
Mehrfaches tägliches Lüften der Räume, Spaziergänge in der Natur und freies Spiel im Garten oder dem naheliegenden Wald fördern die Gesundheit der Kinder und verstärken ihr Verständnis dafür.

Die Sauberkeit unserer Räume ist im Besonderen in der Kinderkrippe, aber natürlich auch im Kindergarten von großer Bedeutung.
Im Hygieneplan ist festgelegt, dass die Räume am Montag, Mittwoch und Freitag gesamt gereinigt werden, und am Dienstag und Donnerstag zusätzlich noch einmal alle Tische, Stühle und Böden.
Für die Küche ist die Gesamtreinigung natürlich täglich.
Desinfektion der Hände ist für die Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen vorgeschrieben, um die Verbreitung von Viren und Bakterien möglichst gering zu halten.

Kinderschutz

In ganz seltenen Fällen müssen wir leider auch der Aufgabe nachgehen, Fälle von Kindeswohlgefährdung gemeinsam mit den Eltern zu besprechen und zu lösen.
Jedes Kind hat ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit.
Wir versuchen, den Eltern die Folgen ihres Handelns aufzuzeigen und besprechen mit ihnen Lösungsmöglichkeiten zum Wohle des Kindes.

Wenn wir erleben, dass durch die missbräuchliche Ausübung der elterlichen Sorge, durch Vernachlässigung, durch unverschuldetes Versagen der Eltern oder durch unzureichenden Schutz der Kinder vor Gefahren durch Dritte Schaden bei den Kindern entsteht und wir die Eltern durch unsere Gespräche nicht erreichen oder überzeugen können, besteht nach §47 SGB VIII Meldepflicht.

Dies gilt auch für Ereignisse innerhalb unserer Einrichtung, die das Kindeswohl gefährden.
Alle Mitarbeiter/innen unserer Kindervilla sind über das Verfahren zum §8a SGBVIII unterrichtet.

Das Vornehmen einer Gefährdungseinschätzung, das Hinzuziehen einer insoweit erfahrenen Fachkraft und das Einbeziehen der Erziehungsberechtigten und des betroffenen Kindes, sofern der Schutz des Kindes hierdurch nicht in Frage gestellt wird, sind in der Kindervilla bekannt und im Team besprochen.
Wir haben auch mit der Stadt München einen Vertrag, alle diesbezüglichen Vorkommnisse zu melden.

Verbindung von Theorie und Praxis

Im Kindergarten und in der Kinderkrippe finden täglich Gespräche über das Gruppengeschehen und über die Entwicklung der einzelnen Kinder statt.
In monatlichen Teamsitzungen werden diese Beobachtungen vertieft. Dadurch entstehen individuelle Pläne zur Förderung des einzelnen Kindes.
Hier wird die Umsetzung dieser Ideen in die Wirklichkeit geplant, beobachtet und verbessert.
Diese Gespräche sind auch die Grundlage für die Zusammenarbeit mit den Eltern, die durch ihre Erfahrungen und Erlebnisse unsere Einschätzungen verbessern, korrigieren oder ergänzen, damit gemeinsame Erziehungsmöglichkeiten entstehen.

Eingewöhnung – der Übergang von der Familie zur Kinderkrippe

Der pädagogische Leiter unserer Kinderkrippe nimmt mit den Eltern Kontakt auf und bespricht mit ihnen in einem ersten Gespräch die wesentlichen Fragen der Eingewöhnung. Die Eltern erzählen von ihrem Kind und informieren uns über die Gewohnheiten des Kindes, seine Vorlieben, Stärken und Schwächen. Es wird über die pädagogischen Vorstellungen gesprochen, ebenso über Fragen, Sorgen und Ängste der Eltern.

Anschließend werden die Eingewöhnungszeiten gemeinsam in Absprache mit dem Team festgelegt, bei uns ist der Beginn meistens 10:00 Uhr.
Die Eltern sind bei uns anfangs in einem Nebenraum, der durch eine offene Tür mit dem Gruppenraum verbunden ist. Das Kind selbst entscheidet, wann es allein oder mit einem Elternteil den Gruppenraum entdecken will. Die Eltern haben immer Sichtkontakt zum Kind, auch wenn es sich allein im Gruppenraum bewegt und mit den anderen Kindern Kontakt aufnimmt.

Die Erzieherin bespricht mit den Eltern alle wichtigen Fragen, die in diesem Zusammenhang auftauchen, vor allem die Einschätzung, wie es dem Kind geht, was benötigt das Kind, um sich der neuen Situation zu öffnen, was leistet es von sich aus, welche Unterstützung können und sollten Eltern oder die Erzieherin leisten.
Diese Beobachtungen bilden dann die Grundlage, über den Zeitpunkt einer ersten Trennung zu entscheiden. Die Mutter oder der Vater sind dann für wenige Minuten entfernter im Haus erreichbar, während sich das Kind mit den anderen Kindern der Gruppe gemeinsam beschäftigt bzw. spielt.

Wenn die Eltern und die Erzieherin dabei erleben, dass sich das Kind mit der Situation wohlfühlt, dass es gerne Kontakt zu der Erzieherin und den anderen Kindern aufnimmt und die Eltern dabei “aus den Augen verliert”, dann können sich die Eltern für einen etwas längeren Zeitraum entfernen, sie sind allerdings immer noch in der Nähe unserer Einrichtung und am Handy jederzeit erreichbar, sodass sie rasch bei dem Kind sein können, wenn es sich unwohl mit der neuen Situation fühlt.

Nimmt das Kind über mehrere Tage gerne am Gruppenleben teil, dann leiten die Eltern die Trennung bewußt ein, indem sie sich vom Kind für eine halbe Stunde oder etwas länger verabschieden. Diese klare Abschiedsituation ist wichtig, damit sich das Kind auf die Trennung einstellen kann.
Wenn die Mutter oder der Vater dann wieder zurückkommen, ist der Tag in der Kinderkrippe auch beendet. Beim Abschied bespricht die Erzieherin, wie sich das Kind verhalten hat.
Die Eingewöhnungszeit ist damit nicht ganz abgeschlossen, aber das Kind kann nun in die neue Gemeinschaft hineinwachsen, da es Freunde gefunden hat, Spielangebote kennt und eine Beziehung zu den erwachsenen Personen in der Kinderkrippe entwickelt hat.

Der Austausch über diesen Entwicklungsprozess zwischen Eltern und der Erzieherin begleitet diesen mehrwöchigen Vorgang und hilft dabei, Fragen und Probleme rasch zu beantworten, damit die Eingewöhnung des Kindes für alle Beteiligten einen guten Verlauf nimmt.

Tagesablauf in der Kinderkrippe

Die Bringzeit ist im Aufnahmeantrag festgelegt. In der Regel erscheinen bei uns die Kinder von 07:30 Uhr bis 09:00 Uhr, da zu diesem Zeitpunkt die Kernzeit beginnt.
Wir beginnen mit einer gemeinsamen Brotzeit, anschließend waschen und wickeln, wenn nötig.
Dann setzen wir uns im Kreis zusammen und singen und musizieren gemeinsam, anschließend gibt es verschiedene Angebote, wie basteln, malen, spielen im Garten, Spaziergänge in den nahegelegenen Wald, Sport usw.
Um 11:00 Uhr wieder waschen, wickeln und Vorbereitung für das Mittagessen.
Das Mittagessen findet um 11:15 Uhr statt, danach Freispiel bis um 12:15 Uhr.
Der anschließende Mittagsschlaf dauert in der Regel bis 14:00 Uhr.
Am Nachmittag ist Zeit für Freispiel, Vorlesen, kleinere Angebote und eine weitere Brotzeit.

Tagesablauf im Kindergarten

Ein in der Regel fester Tagesablauf und Jahresrhythmus vermittelt den Kindern zusätzliche Sicherheit und Geborgenheit. Ein Umfeld, in dem bestimmte Rituale wiederkehren schafft Vertrauen und Verläßlichkeit. Sich innerhalb dieses Rahmens entfalten zu können fördert die Lebensfreude und das Selbstvertrauen der Kinder.
Die Kernzeit beginnt im Kindergarten ähnlich wie in der Kinderkrippe 09:00 Uhr.
Täglich starten wir mit unserem Morgenkreis, in dem die Kinder erzählen können, was sie bewegt, manchmal mit einer kleinen Wissensrunde und immer mit genügend Zeit für Musik.

Dann kommt die gemeinsame Brotzeit.
Von 10:30 bis 11:30 folgen die verschiedenen Angebote wie Theater, Sport, Vorschule, Basteln, Malen, Englisch, Ausflüge in kleinen Gruppen, Werken, Tanz, Vorlesen.
Bei fast jedem Wetter gehen wir anschließend an die frische Luft im Garten oder in der nahegelegenen Natur.
Dann folgt das Mittagessen und die Mittagsruhe.
Von 15:00 bis 15:30 gibt es noch einmal verschiedene Angebote beziehungsweise Freispiel für alle, die sich entspannen wollen.

Obwohl wir ein Haus für Kinder sind und es viele Verbindungen zwischen Kinderkrippe und Kindergarten gibt, erfordert die kreative Entwicklung selbstverständlich auch altersspezifische Förderungen.

In der Kinderkrippe gibt es drei verschiedene Stufen:

  • bis ein Jahr – unsere Baby Gruppe
  • ein bis zwei Jahre - die Biene Maya Gruppe
  • zwei bis drei Jahre - die Schmetterlinge

Im Kindergarten unterscheiden wir ebenfalls drei Gruppen.

  • Die Bärchen sind drei bis vier Jahre alt.
  • Die Adler sind vier bis fünf Jahre alt.
  • Die Vorschulgruppe ist für Kinder im Alter von fünf bis sechs Jahren.

Einige Beispiele:

Die musikalische Frühförderung sieht bei den Biene Maya Kindern so aus, dass sie Lieder vorgesungen bekommen und erleben, wie die Schmetterlinge Lieder singen und mit Orff Instrumenten begleiten.
Die Schmetterlinge lernen einfache Kinderlieder, begleitet von Gitarre und Flöte.
Die Bärchen und Adler singen und musizieren jeden Tag mindestens eine halbe Stunde gemeinsam. Die Lieder werden komplexer, ebenso die Begleitung durch Instrumente.
In der Vorschulgruppe wird die Förderung am intensivsten – z.B. bei dem Power-Kreis mit intensiven rhythmischen Übungen und Kanongesängen.

Ebenso beim Sport. Während die Bienen noch das Laufen lernen, machen die Schmetterlinge schon ihre ersten Gleichgewichtsübungen.
Die Bärchen haben schon regelmäßig Gymnastik, bei den Adlern kommen Purzelbaum, Kopfstand, Rad und viele lustige sportliche Spiele dazu.
In der Vorschulgruppe gibt es dann auch kleine sportliche Wettbewerbe.

Ein ähnlicher Aufbau gilt beim Kindertheater, beim Malen, beim Sprachunterricht, beim Basteln und bei all unseren anderen Unternehmungen sowie den gemeinsamen Ausflügen.
Die Vorschulgruppe wird zusätzlich auch einmal in der Woche spielerisch auf die Schule vorbereitet und erhält Werkunterricht.

Natürlich gibt es viele Angebote, die altersübergreifend die Verbindung zwischen den einzelnen Gruppen darstellen, auch zwischen Kinderkrippe und Kindergarten.
Dies ist vor allem in der musikalischen Früherziehung so, auch bei gemeinsamen Projekten oder Ausflügen und vor allem beim Freispiel im Garten oder im Tobe-Raum.

Theateraufführungen und Feste in der Kindervilla

Zweimal im Jahr gibt es eine große Theateraufführung verbunden mit einem Fest für die Kinder, die Eltern und die Erzieher.
Im Herbst findet zusätzlich das Laternenfest statt verbunden mit einem gemeinsamen Abend der Kinder, Eltern und Erzieher.
Diese gemeinsamen Feste des Kindergartens und der Kinderkrippe sollen immer wieder die Verbindung zwischen Eltern und dem Personal der Kindervilla fördern.
Der dabei entstehende Austausch, die Kommunikation und das gegenseitige Vertrauen sind eine wesentliche Grundlage für unsere wertvolle Arbeit, um so gemeinsam für die bestmöglichste Entwicklung der Kinder zusammenzuarbeiten.

Dokumentation

Im Kindergarten wie auch in der Kinderkrippe haben die Erzieher/innen eine Dokumentationsmappe für die Kinder. Es gibt drei verschiedene Ansätze für die Beobachtungsbögen in der Kindervilla. Neben einem eigenen familientherapeutischen Fragebogen der Kindervilla benützen wir den Beobachtungsbogen PERIK ( positive Entwicklung und Resilenz im Kindergartenalltag ) sowie den Beobachtungsbog SELDAK
( Sprachentwicklung und Literacy bei deutschsprachig aufwachsenden Kindern ) und den Beobachtungsbogen SISMIK ( Sprachverhalten und Interesse an Sprache bei Migrationskindern im Kindergartenalltag ).

Die verschienenen Beobachtungen und Ergebnisse dieser Arbeit werden bei uns in Einzelgesprächen mit der pädagogischen Leitung besprochen.
Im großen Team werden die Ergebnisse gemeinsam verglichen, eventuell neue Ansätze gesucht oder neue Ziele formuliert.

Entsprechend diesen Beobachtungen und Erkenntnissen werden unserere Erzieherinen in dem folgenden Austausch mit den Eltern gemeinsam mit ihnen Ziele für die Förderung des Kindes formulieren und festlegen.

Durch diesen Vorgang der Beobachtung und dem Austausch mit den Eltern entsteht die gemeinsame Erziehungslinie für die Kinder.

Elternarbeit

Neben diesen einzelnen Elterngesprächen gibt es bei uns zwei Elternabende im Jahr.
Hier können alle Fragen besprochen werden, die für die Eltern und die Erzieher/innen von Bedeutung sind. Beim ersten Elternabend wird auch der Elternbeirat gewählt, der aus zwei Vertretern der Eltern besteht. Er stellt das Bindeglied zwischen den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen unserer Einrichtung und den Eltern dar. Er hilft bei der Weiterentwicklung
und Ausformung unseres pädagogischen Konzepts, vermittelt bei Fragen und Problemen zwischen den Eltern und dem Team der Kindervilla und er organisiert unsere gemeinsamen Feste und Theateraufführungen.

Die Teilnahme und Mitwirkung der Eltern bei unseren gemeinsamen Festen ist natürlich freiwillig, aber bisher haben immer genügend Eltern einen Beitrag geleistet. Ebenso freuen wir uns über alle Vorschläge und Impulse von Eltern und Kindern, die das Leben in unserer Einrichtung verbessern oder schöner machen. Da wir schon im Kindergarten bei vielen Gelegenheiten ein demokratisches Verhalten einüben und dies als die beste Form der Entscheidungsfindung darstellen, gilt dies natürlich auch für die Zusammenarbeit der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen unserer Einrichtung mit den Eltern. Kritik auf beiden Seiten ist erwünscht, Probleme versuchen wir so schnell wie möglich zu lösen.
Eine anonyme jährliche Elternbefragung hilft uns dabei, aus Fehlern und Versäumnissen zu lernen und unsere Arbeit mit den Eltern zu verbessern.

Qualitätsentwicklung in der Kindervilla

Die Kindervilla Kinderglück bemüht sich seit ihrer Gründung 1991, die Qualität der Betreuung im Kindergarten und der Kinderkrippe stets auf einem hohen Niveau zu halten und weiter zu entwickeln. Von Anfang an war die Begleitung der Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen in unserem Haus durch einen Familientherapeuten vorgesehen.
Für die Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen bei uns sind jedes Jahr mindestens fünf Fortbildungstage vorgesehen, in denen sowohl Zusammenhänge der systemischen Familientherapie anhand von Fallbeispielen aus dem Kindergarten und der Kinderkrippe
besprochen werden als auch wissenschaftliche Ansätze des Staatsinstituts für Frühpädagogik.
Hierbei geht es um Lerntheorien, Verständnis von pädagogischen Entwicklungsschritten, Elterngespräche, Kooperation mit den Eltern bei Erziehungszielen für die Kinder, Verständnis für Lernprozesse und vieles mehr.

Zusammenarbeit und Vernetzung der Kindervilla mit anderen Institutionen

Es besteht eine enge Zusammenarbeit mit der Grundschule an der Eversbuschstraße und der Grundschule an der Pfarrer-Grimm-Straße. Unser eigenes Vorschulprogramm entstand in Zusammenarbeit mit den Lehrern dieser Grundschulen und wir sind jedes Jahr im Austausch
darüber, wie sich unsere Vorschulkinder in der ersten Klasse der Grundschule entwickeln.
Bei der Zusammenarbeit mit anderen Kindergärten sind vor allem die Spielwerkstatt Allach-Untermenzing sowie Kindergarten und Kinderkrippe LILA LUPI zu nennen.
Selbstvertändllich sind wir auch in ständigem Kontakt mit dem Referat für Bildung und Sport in München und mit Städtischen Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe sowie dem Sozialbürgerhaus Pasing.


Kurt Schindler
Familientherapeut